Timber Timbre - «Sincerely, Future Pollution»

// Urs Musfeld

Auch Abgründe können betören.

Richtig fröhlich klangen Timber Timbre zwar noch nie. Nichtsdestotrotz verbreitete ihre letzte CD «Hot Dreams» (2014) weniger Düsternis. Inspiriert von der opulenten Filmmusik der 1960er-und 1970er-Jahre erweiterte Taylor Kirk, kreativer Kopf des Trios aus Montreal, die Sound-und Stimmungspalette. Neben der gewohnten Mischung aus Blues, Folk und Country setzte die Band auch auf Streicherarrangements und verlieh den Songs einen lasziven und schwülen Unterton.
Mit der neuen, sechsten CD «Sincerely, Future Pollution» sollte es noch leichter und sogar tanzbarer werden. Doch die weltpolitische Lage und der Wahlausgang in den USA drückten auf den Gemütszustand. Die Dur-Akkorde überwiegen. «Stationierte Agenten, Betreiber, Slumlords, Ingenieure berücksichtigen Ghettos und stapeln grüne Papierwände für den Mann des Jahres/ ich bin der Held der Human Highway/ ich bin der Retter der Atmosphäre» - Zeilen aus «Western questions». Timber Timbre haben aber auch die Begabung, Momente unerwiderter Liebe in grossartigen Klageliedern einzufangen – wie in «Moment»: «Es ist zu spät/und alles ist verloren/und ich weiss es/ Elixiere verlieren an Wirkung/ und mit jeder Dosis geht eine Erinnerung verloren».
Bei den Aufnahmen zu «Sincerely, Future Pollution» im Studio eines alten Schlosses in der Nähe von Paris entdeckten Timbre Timbre alte Synthesizer und spezielle Drumcomputer. Geräte, die den Sound des Albums wesentlich mitprägen. Geblieben sind cineastische Reminiszenzen, der Mut zur Entschleunigung und die prägende Stimme von Taylor Kirk. Timber Timbre bleiben geisterhaft, lassen zwischendurch Licht ins Dunkel und zeigen das Betörende im Abgründigen.

Urs Musfeld

 Urs Musfeld

SRF «Sounds!»-Musikredaktor von 1980-2017, 
noch immer unterwegs in den unendlichen Weiten des Musik-Dschungels mit dem Ohr für das Besondere.

Mehr erfahren

Schreibe einen Kommentar