Lee Ranaldo - «Electric Trim»

// Urs Musfeld

Lee Ranaldo war Gründungsmitglied, Gitarrist und Songwriter der Noise-Rock Legenden Sonic Youth – der Mann für s'Lyrische und Komplexe, für die Avantgarde, die immer die Tradition fest im Blick hatte. Ähnlich wie George Harrison bei den Beatles lieh er seine Worte und seine Stimme nur ein, zwei Stücken pro Album («Eric's dream», „Daydream nation», «Goo» oder «Karen Koltrane»).

Nutzte der 61-Jährige in früheren Jahren die Zeit ausserhalb von Sonic Youth hauptsächlich für Erkundungen jenseits des Songformats, arbeitete er nach deren Auflösung 2011 immer mehr an strukturierten Stücken.

Neues Album

Nach dem etwas sperrigen «Last Night On Earth» (2013) steuert sein zwölftes Solo-Album «Electric Trim» wieder in deutlich zugängigeres Fahrwasser. Ranaldo entdeckt seine Abenteuerlust und Experimentierfreude, ohne sich vom Hörer zu entfernen. Er taucht noch tiefer in die 60's-Psychedelia («Thrown over the wall»), die er schon immer liebte, findet sich einige Male im R.E.M.-Territorium oder erinnert an Neil Young («Let`s start again»). Der Opener «Morroccan mountains» wartet mit arabischen Instrumenten und irren Tempowechseln auf. Das groovende «Uncle skeleton» versprüht mit krachenden Gitarren, Synthies und Background-Chor eine Morricone-Western-Soundtrack-Aura. Im wunderschönen, poppigen «Last looks» singt Ranaldo im Duett mit der Singer/Songwriterin Sharon Van Etten, die noch auf fünf weiteren Songs zu hören ist.

Auch auf der Lister der Mitmusiker stehen u.a. Wilco-Gitarrist Nels Cline und Ex-Sonic-Youth-Schlagzeuger Steve Shelley. Einige der Texte stammen aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers Jonathan Lethem («Die Festung der Einsamkeit»). Neben seinen Gitarrenkünsten unterstreicht Lee Ranaldo auf dem komplexen und abwechslungsreichen Album «Electric Trim» eindrücklich seine Qualitäten als Singer/Songwriter.

 

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Urs Musfeld

 Urs Musfeld

SRF «Sounds!»-Musikredaktor von 1980-2017, 
noch immer unterwegs in den unendlichen Weiten des Musik-Dschungels mit dem Ohr für das Besondere.

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