Best Of 2019: Alben

// Urs Musfeld

Hier meine 20 Lieblingsalben 2019!

1.Weyes Blood: «Titanic Rising»

Auf ihrem vierten Album «Titanic Rising» verpackt die kalifornische Sängerin und Songschreiberin Weyes Blood alias Natalie Mering schwerwiegende Themen wie Klimawandel in opulent arrangierte Popsongs. Ihre Reflexionen über das Leben und Lieben im Angesicht der ökologischen Katastrophe schwanken zwischen Zweifel und Hoffnung.  Der Gegenwart begegnet sie dabei auch mit Mitteln der Vergangenheit: in Merings hochreferentiellem Kosmos treffen Folk, Soft Rock, Kammer-und Filmmusik auf Elektro-und Synthiesounds.

2. Fontaines D.C.: «Dogrel»

Gehandelt als die neue Gitarrenband erfüllen Fontaines D.C. auf ihrem Debut-Album «Dogrel» die hohen Erwartungen: ohne Füller, Hit nach Hit. Songs, die rotzig mit dem Sprechgesang dahinlärmen. Die Refrains aber öffen sich, bringen Melodie und Mitgröhlfaktor in die Lieder. Das Quintett aus Dublin verknüpft aufmüpfigen Gestus mit aufrechter Haltung. Docks, Pubs, Musik und Alkohol bilden den Rahmen für ein Werk, das mit Wut, Dringlichkeit und rebellischer Anmutung gegen schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalt und größer werdende Existenzängste ansingt.

3. Jaimie Branch: «Fly Or Die II: Bird Dogs Of Paradise»

Jaimie Branch bündelt auf ihrem zweiten Album «Fly Or Die II: Bird Dogs Of Paradise» Wut und Schmerz. Die 36-jährige in Chicago verwurzelte Trompeterin und Komponistin spielt an gegen die eigenen Dämonen, gegen die Geister der Vergangenheit und Gegenwart, gegen die erdrückenden Seiten der USA und auch gegen die Bedingungen im Jazz, gegen die Akteure, die Frauen gängeln und häufig nicht ernst nehmen. Der krasse Stilmix aus Free Jazz, Indie-Rock, choralartiger Brass-Musik und Hip Hop ist so frappierend, wie er glaubhaft klingt.

4. Sampa the Great: «The Return»

Sampa The Great, mit bürgerlichem Namen Sampa Tembo, ist in Sambia geboren, hat in Kalifornien studiert und lebt in Australien. Auf ihrem Debut-Album «The Return» beschäftigt sie sich intensiv mit Heimat, kulturellem Erbe, Vertreibung und Freiheit. Die Stücke bewegen sich zwischen Hip Hop, R&B, Funk, Soul, Spoken Word-Passagen und Folk. Für die Refrains holt sie sich zahlreiche Männerstimmen und setzt damit ein feministisches Statement. 19 Tracks, die vor Selbstbewusstsein und Offenheit strotzen – ob gerappt oder gesungen.

5. Robert Forster: «Inferno»

Robert Forster ist einer der grössten Songwriter Australiens. Der Sänger und Gitarrist beherrscht die Kunst, große, himmelhochjauchzende Popmelodien mit melancholischen Mollakkorden zu grundieren. Das hat er schon mit den Go-Betweens bewiesen, die in den 1980er Jahren von Brisbane aus die Welt des Indierock eroberten. Forster löste die Band auf, nachdem sein kongenialer Mitstreiter Grant McLennan 2006 gestorben war. Sein siebtes Solo-Album «Inferno» besticht durch luftige Arrangements und erzählt entspannt vom Älterwerden.

6. Sarathy Korwar: «More Arriving»

Der in den USA geborene, in Indien aufgewachsene, nunmehr in London lebende Perkussionist Sarathy Korwar kombiniert auf seinem dritten Album «More Arriving» Jazz mit Hip Hop.und indischer Klassik und erzählt Geschichten von der indischen Diaspora. Aufgenommen wurde es über zweieinhalb Jahre in Indien und Großbritannien; gefeatured werden die aufstrebenden Rap-Szenen von Mumbai und Neu-Delhi, verflochten mit Korwars Tabla- und Perkussionskünsten. «So hört sich indische Musik für mich im Moment an», erklärt der 28-jährige Musiker.

7. Bill Callahan: «Shepard In A Sheepskin Vest»

Es sind oft, stille reduzierte Lieder, beschränkt auf Gitarre, Pedal-Steel, Bass, Piano und etwas Schlagzeug oder Drum-Machine, die Bill Callahan auf «Shepard In A Sheepskin Vest» präsentiert. Der mittlerweile 53 Jahre alte Singer-Songwriter aus Austin,Texas braucht nicht viele Worte, um seine Geschichten zu erzählen. Sie handeln u.a. von der Liebe zu seiner Frau, der Geburt seines Sohnes und dem Tod seiner Mutter. Der Baritongesang Callahans gleicht heute immer mehr dem eines Crooners, mit einer gelassenen, lebenserfahrenen Grazie.

8. Floating Points: «Crush»

Neben seiner Arbeit als Neurowissenschaftler hat sich der in Manchester  geborene Sam Sheperd als Floating Points einen Namen gemacht  als  DJ, Produzent und Labelbetreiber. Auf «Crush», dem zweiten Album seiner zehnjährigen Karriere, bringt er die elektronische Musik auf den neusten Strand. Sheperd kombiniert spielerisch verschiedene Einflüsse zu einem makellosen und ästhetischen Klangbild. Club-Tracks wechseln sich ab mit Stücken fürs Wohnzimmer – entstanden mit modularem, analogem Techno-Equipment.

9. Chromatics: «Closer To Grey»

Die Chromatics haben schon immer das leicht Mysteriöse und Unterkühlte geliebt. Auf «Closer To Grey» hat die Band aus Portland ihren unwirklichen, entrückten Sound weiter perfektioniert. Mit schlafwandlerischer Sicherheit machen sich die Chromatics immer wieder auch fremde Songs zu eigen, ziehen sie in ihre dunkel-glitzernde Welt aus düsteren Synthies und schwebendem Gesang. Waren es früher Neil Young oder Bruce Springsteen, sind es diesmal Stücke von Jesus & Mary Chain und Simon & Garfunkel.

10. Aldous Harding: «Designer»

Wieder kongenial von John Parish produziert, lässt Aldous Hardings drittes Album «Designer» die frühere Schwere zugunsten vielschichtig-spielerischer Folk-Pop- Kompositionen zurück. Die Neuseeländerin singt über Vergänglichkeit, Liebe und Angst. Ihre dunkel gefärbte Stimme wirkt dabei so nah und nahbar wie nie zuvor. Streicher und Holzbläser ergänzen in ausgewählten Momenten Akustikgitarre und Piano. Eine trügerische Ruhe liegt über den Songs. Alles bleibt auf das Wesentliche konzentriert.

Weitere...

11. Nick Cave: «Ghosteen»

12. Big Thief: «Two hands»

13. FKA twigs: «Magdalene»

14. Angel Bat Dawid: «The Oracle»

15. Fat White: «Family: «Serfs Up!»

16. Vampire Weekend: «Father Of The Bride»

17. One Sentence. Supervisor: «Acedia»

18. Purple Mountains: «Purple Mountains»

19. Angel Olsen: «All Mirrors»

20. (Sandy) Alex G: «House Of Sugar»

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Urs Musfeld

 Urs Musfeld

SRF «Sounds!»-Musikredaktor von 1980-2017, 
noch immer unterwegs in den unendlichen Weiten des Musik-Dschungels mit dem Ohr für das Besondere.

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